Antiquariat

Tobias Müller

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Franken - "Das Fürstenthum Würzburg", 1805.

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Best.Nr. 11483

Großformatige altkolor. Kupferstichkarte mit großem Wappen, einer handgeschriebenen Farblegende, einer umfangreichen Zeichenlegende, einer großen Kompaßrose sowie einer Landschaftsdarstellung mit dem integrierten Titel auf vier Platten nach Georg Carl Adam Joseph von Fackenhofen von Christoph Joseph Stumpf in Würzburg, 1805. 99 x 100 cm. - Nicht zusammengeklebt (4 Teile), ohne Flecken, glatt; einige Randstellen minimal angeknickt, ein Blatt mit einer schwachen Faltspur, das nordwestliche Blatt mit geringem Plattenschmutz. - Die Fackenhofenkarte stellt für das Hochstift Würzburg den Übergang zu einer maßstabsgenauen Kartierung dar und war für die damalige Zeit von größter Bedeutung. Sie war ursprünglich nicht zur Publizierung vorgesehen und besitzt einen großen Seltensheitswert. Ihre Entstehungsgeschichte wird ausführlich mit neu gesichteten Quellen von Herbert Schott beschrieben (Schott, Herbert: Die Entstehung der sog. Fackenhofen-Karte des Hochstifts Würzburg, in: Mainfränkisches Jahrbuch für Geschichte und Kunst, Bd. 58, 2006 S. 129-148). Darin erhält man Einblicke in die Motive ein solches Kartenwerk zu erstellen sowie gleichfalls in die Abläufe Würzburger Hofkammer-Bürokratie. Initiator der Karte war der Würzburger Kriegskommissar Christoph Friedrich Seelmann, der in der Hofkammer seine Erfahrungen mit dem letzten Durchzug kaiserlich-königlicher Truppen vortrug und dabei feststellte, daß das Hochstift kein geeignetes Kartenmaterial für ein Marschkonzept hätte und andere Reichsstände hier voraus wären. Eine exakte Karte mit genauen Abständen zwischen allen Dörfern, einem Verzeichnis über die Einwohnerstärke, Anzahl der Gasthäuser und vor allem ob es sich um hochstiftisches oder fremdherrschaftliches Gebiet handelt erleichtere die Organisation dauernder Truppenbewegungen. Der Fränkische Kreis war im 18. Jahrhundert davon besonders betroffen. Seelmann hatte bei der Planung des letzten Durchmarsches keine komplette Karte des Hochstifts zur Verfügung. In der Würzburger Verwaltung benutzte man immer noch die Homann-Karte vom Beginn des 18. Jahrhunderts, die in einem Protokoll der Hofkammer als "bis zum Ekel fehlerhaft" bezeichnet wurde. Seelmann schlug für diese Aufgabe den Leutnant von Fackenhofen vor, der letztlich im Herbst 1787 von Bischof Erthal beauftragt wurde. Die Kosten wurden von Seelmann zu Beginn mit 500 bis 600 Reichstalern veranschlagt. Schon nach der ersten Kartierungsrunde Fackenhofens im Herbst 1787 in den nördlichen Ämtern wurde klar, daß die Arbeiten umfangreicher ausfallen würden und die Kosten stiegen auf 2000 bis 3000 Reichstaler. Sie sollten sich im Verlauf der folgenden Jahre weiter erhöhen. Fackenhofen wandte sich teils auch selbst an den Bischof um eine Erhöhung seiner Bezüge zu erreichen. Mit dem Verweis auf seine große Familie und darauf, daß er ordentliche Kleider bei seinen Ausflügen benötige, wurde ihm dies auch größtenteils gewährt. Verwehrt blieb ihm allerdings der Wunsch nach einer Puplikation der Karte, an deren Vertrieb er gerne mitverdient hätte. Unter dem Verweis der militärischen Geheimhaltung wurde dies abgelenht, lediglich die Aussicht auf die Veröffentlichung einer abgespeckten Variante im großen Maßstab wurde ihm gewährt, dann allerdings durch einen fürstlichen Vetrieb. 1792 war das Projekt weitgehend abgeschlossen, Fackenhofen sollte nur fortlaufend Verbesserungen einarbeiten. Eine Kabinettsausfertigung für den Fürstbischof befindet sich heute im Staatsarchiv Würzburg. Nach dem Übergang des Hochstifts an Bayern hatte die Karte für die bayerische Verwaltung eine besondere Bedeutung, was an dem Bericht über das Kartenmaterial des bayerischen Gesandten Major Ribaudpierre abzulesen ist, der bereits vor dem Reichsdeputationshauptschluß im militärisch besetzten Hochstift weilte: "Von dem Würzburgischen ist nur die ganz schlechte Homännische bekannt. Eine sehr große und sehr richtig sein sollende Kabinettskarte befindet sich bei dem Major und Hofkriegsrat Schäffer. Sie wird nicht gezeigt." In der bayerischen Zwischenherrschaft schien es letztlich keine Bedenken mehr gegen eine Veröffentlichung der Karte gegeben zu haben, so daß es 1805 zur vorliegenden Publikation kam. Es gibt zwei nahezu identische Ausgaben. Fackenhofen, mittlerweile 2. Major, erlebte dies nicht mehr, er starb am 13.4.1804. - Das Handkolorit zeigt die Gebietszuordungen an (z.B. blau für das purifizierte Churfürstliche Gebiet). Die detaillierte Legende wird erweitert durch eine Statistik, z.B. gibt es drei Festungen, 86 Städtchen, ..., 91 bewohnte und alte Schlösser, 30 einzelne Klöster, ..., 16 freistehende Wirtshäuser und 820 Mühlen. Es folgt eine Liste aller 32 eingezeichneten Flüsse. Das Exemplar weist einen Archivstempel auf.